Warum ich nicht mehr alles übersetze: Meine Entscheidung für Jesus

Mai 12, 2026

Das wird heute ein persönlicher Blogpost und bis vor ein paar Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich so einen Post jemals auf meiner Übersetzerwebsite veröffentlichen würde. Was ist geschehen?

Das Wichtigste in Kürze (TL;DR)

  • Seit November 2025 nehme ich keine Übersetzungsprojekte mehr an, in denen bestimmte Themen schwerpunktmäßig und unkritisch vorkommen (siehe Was übersetze ich nicht mehr?)
  • Ich lehne nicht pauschal jedes Werk ab, in dem diese Aspekte irgendwo vorkommen - entscheidend sind Schwerpunkt und Darstellung.
  • Ich teile hier meine persönliche Glaubensentscheidung und respektiere ausdrücklich, wenn du das anders siehst.
  • Wenn du nur wissen willst, was ich noch übersetze, springe direkt zu: Welche Manga/Anime etc. übersetze ich noch?

Geschätzte Lesezeit: ca. 30 Minuten für den ganzen Artikel

Was ist passiert?

Die Veränderung ist nicht über Nacht eingetreten. Doch vor zwei Jahren habe ich die Türschwelle einer christlichen Kirche überschritten - und das war rückblickend betrachtet der Tag, der mein Leben ganz schön verändert hat. Es vergingen danach ein paar Monate, bis ich selbst auch mal die Bibel öffnete, zuerst in einer App, und noch gut ein Jahr, bis ich wusste: Ich kann meine freiberufliche Arbeit - das Übersetzen von Manga, Anime und Light Novels bzw. Romanen aus dem Japanischen ins Deutsche - so nicht mehr fortsetzen.

Heute geht es darum, wieso ich zu dieser Entscheidung gekommen bin und welche Inhalte ich nicht mehr übersetze - bzw. was ich noch übersetzen kann. Ich versuche auf die wichtigsten Einwände zu reagieren, die mir Redakteure und Übersetzerkollegen entgegengebracht haben. Ich erzähle von persönlichen Erfahrungen mit den Themen, die ich nicht mehr übersetze, und ich erkläre, warum Projekte wie Lost Lad London oder Time of EVE für mich nach wie vor zum Übersetzen infrage kämen - obwohl ich mich gegen Sünde entschieden habe und es in diesen Werken um Mord geht bzw. ein Science-Fiction-Setting vorhanden ist.

Wichtige Klarstellung vorab

Ich schreibe im Folgenden von meinem Glauben und manches davon könnte deiner heutigen Weltsicht widersprechen. Ich akzeptiere es, wenn du anders darüber denkst. Es ist nicht meine Absicht, jemanden zu verletzen oder zu diskriminieren. Bitte lies den folgenden Text als meine persönliche Meinung im Rahmen der Glaubensfreiheit. Ich lade auch gern zur Diskussion ein, denn Glaubens- und Meinungsfreiheit (Art. 4 und 5 GG) sind im deutschen Grundgesetz und in anderen deutschsprachigen Rechtsräumen verankert, damit wir frei miteinander sprechen und ehrlich, ohne Angst vor Zensur oder Verurteilung, unsere Meinungen austauschen können.

Warum ich diesen Beitrag schreibe

Dieser Blogpost richtet sich an Freunde, Kollegen und Geschäftspartner, denen ich meine Entscheidung größtenteils schon mitgeteilt und erklärt habe. Heute möchte ich näher auf die Hintergründe eingehen, als es mir in einer E-Mail oder im Chat möglich war. Und vielleicht interessiert es meine Blog-Leser und auch Manga/Anime-Fans allgemein, wie ich zu so einer Entscheidung gekommen bin.

Leider kann ich viele Punkte auch in diesem Artikel nur anreißen, denn als ich beim Schreiben recherchierte, was es generell so für Pro- oder Kontra-Meinungen dazu gibt, stellte sich das Ganze als ein Fass ohne Boden heraus: Man kann über jeden Glaubensaspekt lange diskutieren und es gibt zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, die für oder gegen eine bestimmte Sichtweise argumentieren. Ich versuche es heute deshalb so kurz wie möglich und so lang wie nötig zu halten, damit jeder, der meine Entscheidung und ihre Hintergründe ein bisschen verstehen will, am Ende mehr Klarheit und weniger Verwirrung oder gar Groll auf mich hat. Zumindest ist das heute meine Absicht.

Dieser Post erhebt keinen Anspruch auf Perfektion und inhaltliche Fehlerlosigkeit. Ich habe mir viel Zeit genommen, um alles nach bestem Wissen und Gewissen richtig zu schreiben, aber ich habe kein theologisches Studium absolviert, sondern gehe von meiner persönlichen Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der Bibel aus. Ich bitte um Nachsicht und Hinweise auf etwaige Fehler, wenn du jemand bist, der/die sich damit auskennt und dir eine Ungenauigkeit oder missglückte Formulierung auffällt. Auch verwende ich heute bewusst die deutschsprachige Form des Genitivs: Jesus' statt Jesu.

Später möchte ich gern noch weitere Blogposts zu einzelnen Themen schreiben, auf die ich heute nicht ausführlich eingehen kann. Aber fangen wir erst mal an.

Was übersetze ich nicht mehr und warum?

Hier sind zunächst die groben Kategorien von Inhalten, die ich seit November 2025 nicht mehr als Übersetzungsprojekte annehme - und zwar dann, wenn diese Inhalte schwerpunktmäßig und unkritisch vorkommen:

* BL (Boys Love), GL (Girls Love), LGBTQ+-Spektrum
* okkulte Themen (Magie, Zauberei, Sprechen mit  Geistern und Toten, Wahrsagen, Dämonen und Götter etc.)

 

Ich lehne nicht pauschal jedes Werk ab, in dem diese Themen überhaupt vorkommen. Denn Fiktion bildet unser Leben in seiner ganzen Breite ab und geht sogar darüber hinaus; sie darf inspirieren, fantasievoll sein, herausfordern, Kontroversen aufzeigen usw. Es dürfen und sollen auch gesellschaftliche Minderheiten sowie Randthemen gezeigt und physisch Unmögliches wirkungsvoll in Szene gesetzt werden. Genau darin liegt die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks.

Aber ist wirklich alles erlaubt? Künstlerischer Ausdruck geht auch mit Verantwortung einher. Was wir konsumieren, formt unser Weltbild. So war es jedenfalls bei mir und längst nicht alles davon war gut für mich, mit Folgen bis ins Erwachsenenalter. Heute kenne ich die Gründe dafür. Und gefunden habe ich sie in einem Buch, das jeder kennt: die Bibel. Allerdings hat es gedauert, bis ich darin nach Lösungen und Antworten gesucht habe. Denn wer liest heute schon die Bibel und beschäftigt sich ernsthaft damit?

Ich wuchs jedenfalls in einem Umfeld auf, in dem das nicht getan wurde. Erst als ich an einem Punkt im Leben war, an dem auch New Age und Selbsthilfekurse nicht mehr geholfen haben, war ich langsam so weit - und es brauchte noch die Begegnung mit einer jungen, modernen und lebensfrohen Kirche, die gleichzeitig so begeistert von der Bibel war, dass ich dachte: Na ja, dann schaue ich mal hinein.

Das hat schließlich dazu geführt, dass ich mich für Jesus und gegen Sünde entschieden habe. Was heißt das? Einfach ausgedrückt, dass Jesus der Gegner von Sünde ist und Zuflucht und Rettung für jeden bietet, der nicht mehr in Sünde leben will. Das hatten mir Kirchen, die ich beim Aufwachsen in einer mehr oder weniger christlichen mitteleuropäischen Gesellschaft gesehen hatte, nicht vermittelt. Ich hatte gedacht, dass Jesus nur ein besonders guter Mensch war. Aber sein Leben auf der Erde, der Tod am Kreuz und die Wiederauferstehung haben eine größere Bedeutung. Darüber schreibe ich ein andermal mehr.

(Klarstellung: Ich bin nicht Mitglied einer Sekte geworden. In einer Sekte werden Inhalte gelehrt, die der Bibel mindestens zum Teil widersprechen. Die Kirchen, die ich in meiner Jugend gesehen hatte, vermittelten mir nur ein falsches Bild und das lag, wie ich vermute, sowohl an der Art der Vermittlung als auch an meiner Interpretation davon. Ich wünsche mir, dass jede Kirche den Menschen, die dorthin kommen, das gibt, was sie brauchen.)

Das hat mich jedenfalls zu den folgenden Regeln in Bezug auf künftige Übersetzungsprojekte geführt, wenn Sünde auf unkritische Weise dargestellt wird:

Entscheidungsregeln:
  • Schwerpunktmäßig heißt für mich: Das Thema ist zentraler Inhalt und nicht bloß Randaspekt, Nebenfigur oder kurzer Handlungsstrang - gekoppelt mit folgender Regel:
  • Unkritisch dargestellt heißt für mich: Das Thema wird insgesamt als normal, erstrebenswert oder „einfach nur gut“ präsentiert - ohne erkennbare Einordnung als problematisch/zerstörerisch (z.B. ohne Konsequenzen im Sinn von Gewissenskonflikt, Schaden, Warnung, Bruch, Reue oder klare Gegenposition im Werk).
  • Ich entscheide von Fall zu Fall: Wenn ein Titel diese Elemente zwar enthält, sie aber nicht Hauptthema sind bzw. wenn das Werk mit kritischer Perspektive, Distanz oder mindestens Ambivalenz davon erzählt, kann es trotzdem infrage kommen. Ich schaue mir den Inhalt an und entscheide nach bestem Gewissen.
  • Wichtig: Diese Regeln sind keine Verurteilung einzelner Menschen - ich begegne allen respektvoll, unabhängig davon, ob jemand meine Sicht teilt.

In den folgenden Abschnitten gehe ich näher darauf ein, was unter Sünde zu verstehen ist und warum ich mich explizit gegen die oben genannten Themen unter Anwendung dieser Entscheidungsregeln stelle. Wenn du überhaupt keine Bibelstellen oder Erklärungen dazu lesen möchtest, springe direkt zu Welche Manga/Anime etc. übersetze ich noch? - aber ich freue mich, wenn du zumindest ein wenig offen dafür bist, die Hintergründe meiner Entscheidung zu verstehen.

Ich rufe in diesem Artikel nicht zur Verdammung bestimmter Menschengruppen oder zum Verbot des Interesses am Übersinnlichen auf. Stattdessen habe ich mich bemüht, meine heutige Sicht auf bestimmte Themen so klar und verständlich wie möglich zu schildern. Vielleicht interessiert dich ja auch dieser Abschnitt: Bin ich jetzt homophob geworden?
Fange am besten dort an zu lesen, wo du möchtest, und springe dann zu anderen Stellen, wenn sie dich interessieren. Das Inhaltsverzeichnis bleibt für dich über das kleine weiße Icon auf dunkelblauem Hintergrund erreichbar.

Was ist Sünde?

Zuerst eine kurze Definition: Sünde ist nach biblischer Auffassung das Aufbegehren und Rebellieren gegen Gott. Das hat Konsequenzen für unser Leben und unsere Beziehung zu Gott.

Zum Begriff „Gott“

Vielleicht hast du allgemein ein Problem mit dem Wort „Gott“. Wenn das so ist, möchte ich, dass du weißt: Ich fühlte mich auch lange Zeit davon abgestoßen und getriggert. Darum kann ich verstehen, wie es dir gerade geht. Ich setze das Wort heute bewusst möglichst sparsam ein, aber ganz ohne geht es in diesem Kontext auch nicht.

Ein Vorschlag, wenn es dich triggert: Können wir uns auf den kleinsten gemeinsamen Nenner für das Verständnis dieses Worts einigen? Vielleicht kannst du mir zustimmen, dass irgendeine schöpferische Kraft zur Geburt von dir und mir geführt hat. Du bist von einer kleinen Eizelle zu dem Menschen gewachsen, der du heute bist. Wenn ich es sehr vereinfacht ausdrücke, dann sehe ich in der treibenden Kraft dahinter „Gott“. Das ist jetzt keine besonders christliche Erklärung, aber sie richtet sich an dich, wenn du mit diesem Begriff so gar nichts anfangen kannst.

Es geht mir hierbei auch nicht um einen fiktiven Mann mit Bart auf einer Wolke, obwohl ich mittlerweile weiß, dass Gott mich und dich und jeden Menschen liebt. Ich habe mir keinen Aluhut aufgesetzt und will nicht der Realität entfliehen. Das Gegenteil ist der Fall.

Ich habe mich nicht von heute auf morgen dafür geöffnet, sondern ich habe lange über alles nachgedacht und mit der realen Welt um mich herum abgeglichen. Dabei stellte ich mir auch die Frage, ob es Gott wirklich geben kann, und ich hörte genau hin, was die Leute in der Kirche sagten, um zu prüfen, ob sie vielleicht nur an etwas glauben, das real gar nicht existiert.

Ich kam persönlich zu dem Schluss, dass Gott wohl so existiert, wie er in der Bibel beschrieben ist. Wir können die Früchte davon in unserem Leben sehen, z.B. in unserem menschlichen Werdeprozess. Hab beim Lesen also einfach nur im Hinterkopf, dass ich mich auf etwas Reales beziehe bzw. wovon ich persönlich glaube, dass es real ist, und nicht eine imaginäre Gestalt oder so.

Steht in der Bibel die Wahrheit?

Seit zwei Jahren beschäftige ich mich nun mit der Bibel und ich gebe zu, ich bin noch dabei, die tiefen Ebenen und Zusammenhänge wirklich zu verstehen. Nicht umsonst ist auch Theologie eine wissenschaftliche Disziplin für sich. Außerdem weiß ich als jemand mit beruflicher Übersetzererfahrung gut, dass beim Übersetzen Nuancen verlorengehen oder hinzugefügt werden können, sogar völlig ohne schlechte Absichten. Darum will ich früher oder später gern auch die Originaltexte lesen bzw. es lernen, um meine gegenwärtige Meinung zu überprüfen.

Heute gehe ich erst mal davon aus, dass wirklich grobe Übersetzungsfehler wohl bereits aufgedeckt sind oder mindestens sichtbar diskutiert werden. Schließlich werden Bibelübersetzungen von mehr als einer Person angefertigt und sorgfältig geprüft, bevor sie herausgegeben werden. Zudem ist das hier ein Blogartikel und keine wissenschaftliche Arbeit, sodass ich auch einfach schreiben kann, dass ich etwas so oder so sehe, solange ich es als meine Meinung kennzeichne und die Quellen nenne, wenn ich mich auf eine Übersetzung* der Bibel beziehe. Und wie schon gesagt: Ich habe lange Zeit nachgedacht und mein vorhandenes Weltbild mit der Realität abgeglichen, bevor ich mich entschied, dass ich diesem oder jenem Aspekt zustimmen kann.

*Die Zitate in diesem Blogpost stammen aus der Lutherbibel 2017 und anderen deutschen Übersetzungen wie der Einheitsübersetzung 2016, wenn der Wortlaut der Lutherbibel mir zu altmodisch für den Zweck dieses Artikels erschien. Inhaltlich gibt es keine wesentlichen Unterschiede zwischen diesen Übersetzungen in Bezug auf die verwendeten Zitate.

Derzeit glaube ich, dass in der Bibel keine Lügen und keine verdrehten Wahrheiten über unsere Welt stehen. Es gibt zwar verschiedene Meinungen darüber, ob z.B. die Erde wortwörtlich in sieben Tagen geschaffen worden ist oder ob man es metaphorisch verstehen sollte und es den Urknall und die Evolution doch gab. Ich sehe es heute so, dass in der Bibel zumindest nicht steht, Urknall und Evolution seien nicht passiert. Und was dort steht, widerspricht auch nicht klar moderner Wissenschaft. Bodenständig betrachtet gibt es eine Wahrheit darüber, wie unsere Welt und die menschliche Spezies entstanden sind. Beschreiben kann man diese Wahrheit mit unterschiedlichen Worten, so wie es z.B. auch verschiedene Sprachen auf der Erde gibt. Das ändert nichts an der Existent der Wahrheit - und in der Bibel steht nichts völlig Abgedrehtes, wie dass wir von Aliens abstammen oder früher auf dem Mars gelebt haben oder so. Ich sehe hier also keine Verschwörungstheorie. Hier ist ein Link zum 1. Buch Mose, in dem die Entstehung der Erde beschrieben wird.

Schauen wir uns an, wie es zur ersten Sünde kam, dann wird klar, dass Sünde auf Lügen basiert - und die Bibel würde lügen, wenn sie Unwahrheiten beinhalten würde. Aus meiner Sicht ist sie stattdessen dafür da, dass wir zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden lernen.

Die erste Sünde in der Bibel

Jeder kennt wohl die Geschichte von Adam, Eva und der verbotenen Frucht. Ob sie wörtlich oder als Gleichnis zu verstehen ist, darf heute jeder für sich bewerten - doch sie gibt Aufschluss darüber, was Sünde ist, wie es dazu kommt und welche Folgen sie für uns hat.

Einer Sünde geht Verführung zuvor: Eva nahm die Frucht vom Baum, nachdem die Schlange ihr glaubhaft gemacht hatte, dass sie und Adam von der Frucht essen dürfen und dann sogar etwas Gutes geschieht: Ihre Augen werden geöffnet und sie werden so wie Gott. Die Schlange hatte Eva davon überzeugt, dass Gott sie klein halten wollte, indem er ihnen nicht erlaubte, die Frucht zu essen, die sie auf eine Stufe mit ihm heben würde. Dadurch zog Groll auf Gott in Evas Herz ein und es entstand der Wille zum Aufbegehren.

Es geschah zunächst, was die Schlange versprochen hatte: Adams und Evas Augen wurden geöffnet und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie bedeckten ihre Körper und versteckten sich vor Gott. Dadurch erkannte Gott, dass sie gegen sein Gebot verstoßen hatten - und er bestrafte sowohl die Schlange als auch Adam und Eva für diese Tat.

Die Schlange hatte Eva nichts von den negativen Folgen gesagt, sondern nur scheinbar Gutes in Aussicht gestellt. Denn sie, die Schlange, hatte schon gegen Gott rebelliert und war zu Eva gekommen, um ihr und Adams Verhältnis zu Gott zu zerstören und dadurch auch Gott zu schaden.

Die Bibel zeigt uns hier also: Einer Sünde geht Verführung zuvor. Wir glauben einer Lüge, die uns vergessen lässt, was wir ursprünglich als wahr kannten und uns danach richteten. Die Lüge ist so plausibel, dass wir sie glauben, wenn wir nicht standhaft genug sind. Entscheiden wir uns, nachzugeben und die Lüge als wahr anzunehmen, passiert mit uns genau das, was Adam und Eva passiert ist. Wir merken es nur oft nicht sofort - weil wir von der Wahrheit abgebracht worden sind.

    Lebensnahe Beispiele von Sünden

      • unwiderstehlich großer Appetit auf Essen, das uns nicht gut tut, z.B. zu viele Süßigkeiten
      • jede Art von Abhängigkeit, z.B. Alkohol, Zigaretten, Kaufsucht, Spielsucht, usw.
      • Urteile über Menschen aufgrund unseres äußeren Eindrucks von ihnen

      Das sind nur ein paar Beispiele für Situationen, in denen uns eine innere Stimme sagt: Das brauchen oder wollen wir unbedingt. Dieser Mensch ist auf jeden Fall so, das sieht man doch. Aber kannst du ins Herz dieses Menschen hineinschauen? Oder woher kommt das Verlangen nach einer Substanz oder Aktivität, obwohl wir bei genauerem Hinsehen und Nachdenken erkennen würden, dass sie uns entweder überhaupt oder in der Menge nicht guttut? Letztendlich ist es so wie mit der ersten Sünde: Etwas suggeriert dir, dass es richtig oder gut ist, obwohl es wahrscheinlich nicht stimmt. Und nur weil da keine reale Person ist, die es dir suggeriert, heißt es nicht, dass überhaupt nichts dahintersteht. Denn Verführung geht auch mit Täuschung einher und das Ziel eines Diebs ist es, unerkannt zu bleiben. Das klingt jetzt wieder etwas metaphorisch, aber falls dich interessiert, woher das kommt:

      Jesus in Johannes 10,10-15:

      Der Dieb kommt nur, um die Schafe zu stehlen und zu schlachten und um Verderben zu bringen. Ich aber bin gekommen, um ihnen Leben zu bringen – Leben in ganzer Fülle. Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte ist bereit, sein Leben für die Schafe herzugeben. Einer, der gar kein Hirte ist, sondern die Schafe nur gegen Bezahlung hütet, läuft davon, wenn er den Wolf kommen sieht, und lässt die Schafe im Stich, und der Wolf fällt über die Schafe her und jagt die Herde auseinander. Einem solchen Mann, dem die Schafe nicht selbst gehören, geht es eben nur um seinen Lohn; die Schafe sind ihm gleichgültig. Ich bin der gute Hirte. Ich kenne meine Schafe, und meine Schafe kennen mich, genauso, wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich gebe mein Leben für die Schafe her.

      Okay, könnte man jetzt vielleicht sagen, dann verführt mich halt eine unsichtbare Schlange zu mehr Genussmitteln und meine Annahmen über Mitmenschen sollte ich auch gründlich prüfen, das ist zumindest noch logisch. Aber LGBTQ+ steht doch für die Freiheit, so zu sein und sich zu zeigen, wie man ursprünglich ist. Was hat dieser Fortschritt der Menschheit bloß mit Sünde zu tun?

      Was hat LGBTQ+ mit Sünde zu tun?

      Ich möchte zuerst betonen, dass ich nicht für Verfolgung und soziale Ausgrenzung bin. Ich finde es bis heute richtig und wichtig, dass wir Gesetze haben, die unsere individuelle Selbstbestimmung nicht einschränken bzw. dass frühere Strafen abgeschafft worden sind. Denn es ist keine Frage des Gesetzes und niemandem ist geholfen, wenn man für das Vorhandensein oder gelebten Ausdruck von Aspekten des LGBTQ+-Spektrums bestraft oder diskriminiert wird.

      Deswegen möchte ich zuerst auf die folgende Frage antworten:

      Bin ich jetzt homophob geworden?

      Meine ehrliche Antwort ist: Nein. Ich bleibe weiterhin jedem gegenüber respektvoll und es ist mir wichtig, dass ich Menschen mit der Nächstenliebe begegne, die mir von echten Christen entgegengebracht worden ist. Das ist nicht immer leicht in einem Text auszudrücken, doch ich versuche es, so gut ich kann.

      Ich erkenne auf jeden Fall die Lebensrealität vieler Menschen an und ich habe selbst einige Freunde und Bekannte aus dem LGBTQ+-Spektrum. Ich habe nicht vor, den Kontakt zu ihnen abzubrechen. Wenn sie eine andere Entscheidung bezüglich des Kontakts zu mir treffen, dann akzeptiere ich es, obwohl ich mir wünsche, dass liebevolle Kommunikation möglich bleibt.

      Zudem hätte ich kein BL übersetzt, wenn ich homophob veranlagt wäre.

      Das ist der zweite Punkt: In mehr als 10 Jahren Übersetzertätigkeit habe ich durchgängig, zum Teil sogar fast nur BL übersetzt. Ich hätte das nicht getan, wenn ich keine positive Einstellung dazu gehabt hätte. Das bezieht sich sowohl auf meine Haltung gegenüber realen sexuellen Minderheiten als auch auf meinen Lesegeschmack. Ja, ich habe persönlich gern BL gelesen. GL war nicht so mein Geschmack, aber ich habe es auch übersetzt.

      Dennoch wurde ich teils mit Vorwürfen konfrontiert, dass ich homophob geworden sei oder fortan Menschen diskriminieren will, nachdem ich verkündet habe, dass ich LGBTQ+ bejahende Werke nicht mehr übersetzen werde. Ich kann nachvollziehen, dass es schwer zu verstehen ist, vor allem, wenn ich zuerst dafür war und dann plötzlich dagegen zu sein scheine. Es gibt Übersetzer, die von vornherein kein BL oder GL übersetzen. Ich wurde zuerst auch gefragt, ob ich das übersetzen möchte. Aber wenn ich nun Jahre später sage, dass ich es nicht mehr übersetzen will und zwar aus Glaubensgründen, löst das offenbar Verständnisprobleme aus.

      Ich kritisiere oder verurteile niemanden, der es nicht verstehen kann. Darum möchte ich versuchen zu erklären, worauf auch mein künftiger respektvoller Umgang mit Menschen des LGBTQ+-Spektrums basiert und warum ich niemanden plötzlich verachte, nur weil sich mein Sündenbewusstsein geändert hat.

      Warum Vergeben wichtig ist

      Respektvoller Umgang geht für mich in diesem Zusammenhang mit Verzeihen und Vergeben einher. In der Bibel ist das Vergeben ein Gebot und keine Option, die man wählen kann, wenn man es gerade für richtig hält. Viele Menschen, für die es kein Gebot ist, entscheiden je nach Situation, ob sie vergeben oder nicht. Dabei ist auch in Psychologie und New Age ist bekannt, dass fehlendes Vergeben wie ein Stachel in uns sitzen kann, der uns schadet, wenn wir ihn nicht entfernen. Doch in der Bibel geht es noch einen Schritt weiter: Wir stellen uns nämlich selbst als wichtiger als Gott hin, wenn wir jemandem nicht vergeben. Das liegt daran, dass Gott uns alles vergeben kann - sonst gäbe es keine Buße bzw. es wäre unmöglich, für Dinge zu büßen und Vergebung zu erfahren, wenn sie als „zu schlimm“ eingestuft worden sind. (Falls du nicht von Anfang an liest und dich das Wort „Gott“ triggert: Hier gibt es eine kleine Erklärung dazu, wie ich es in diesem Artikel meine.)

      Dass Gott uns alles vergeben kann, zeigt sich z.B. in der Tatsache, dass in Jesus' Stammbaum auch Sünder zu finden sind (Matthäus 1,1-7). Oder darin, dass König David im Alten Testament zuerst schweren Ehebruch beging, das so gezeugte Kind starb, er dann ehrliche Buße für seine Sünden tat und sein nächstes Kind eine wichtige Rolle im Alten Testaments spielte. Auch schrieb König David einen großen Teil des Buchs der Psalmen. (In den weiterführenden Links am Ende habe ich ein paar Artikel zu diesen Themen verlinkt.)

      Wenn Gott uns alles vergeben kann, wer sind wir Menschen, dass wir uns je nach Situation hinstellen und sagen: „Ich vergebe dir nicht, weil du etwas so Schlimmes getan hast“? Ja, das geht bis hin zur Vergebung von Mord und anderen wirklich heftigen Dingen. Aber allein schon den Eltern zu vergeben, kann sehr schwer sein.

      Ich nehme das Vergeben inzwischen sehr ernst und habe bewusst angefangen, Menschen zu vergeben, bei denen mir das früher unmöglich schien. (Ehrlich gesagt ist mir sogar beim Schreiben und Überarbeiten dieses Blogposts noch mal tiefer klargeworden, dass ich niemandem etwas Gutes tue, wenn ich nicht vergebe. Das Gefühl, das man beim Nicht-Vergeben in sich trägt, unterscheidet sich nicht von Hass. Es ist nicht leicht, das alles sofort vollständig loszulassen, aber trotzdem wichtig.) Das bedeutet auch, dass ich heute nicht beginne, Menschen für etwas zu hassen und Bitterkeit in mir anzuhäufen. Das habe ich früher mehr als genug getan, z.B. meinen Eltern oder meinem sozialen Umfeld gegenüber. - Wenn ich heute durch meine Beschäftigung mit der Bibel etwas als Sünde erkenne, kann ich es innerlich registrieren und ggf. auch mit der Person sprechen, wenn sie offen dafür ist, etwas zu diesem Thema zu hören. In jedem Fall kann und werde ich für diese Person beten. Aber ich verurteile sie nicht.

      Häufig wird auch gesagt, dass Jesus' Nächstenliebe jeden Menschen einschließt und somit auch Menschen des LGBTQ+-Spektrums. Dazu heute nur ganz kurz: Ja, Jesus vergibt allen, die gesündigt haben. Doch er sagt in Johannes 8,11 zu einer Ehebrecherin: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“ Er heißt die Sünde also nicht gut, obwohl er der Frau vergeben hat. Ein paar Verse zuvor sagt er außerdem: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ (Johannes 8,7)

      Ich verurteile also keine anderen Menschen, denn ich habe auch so meine Sünden begangen. Auch gehörte ich selbst längere Zeit einem kleinen bzw. nicht so prominenten Bereich des LGBTQ+-Spektrums an. Für die meisten Menschen in meinem Umfeld war es nicht offensichtlich, aber einigen hatte ich davon erzählt. Im nächsten Abschnitt gehe ich darauf etwas ein und erkläre zudem, wie ich zu der Sichtweise gekommen bin, dass es sich hierbei um Sünde handelt.

      Unsere Schöpfung und die Fortpflanzung

      Es ist zugegebenermaßen schwierig, heute alle Seiten dieses Themas zu beleuchten, denn allein schon zu der Frage, ob z.B. Homosexualität eine Sünde ist, gibt es viele und sehr lange wissenschaftliche Arbeiten, die pro oder kontra argumentieren. Und beide Seiten belegen ihre Position mit Zitaten aus der Bibel. Auch ist von möglichen Übersetzungsfehlern die Rede und das würde ich später gern noch prüfen.

      Heute möchte ich auf die Schöpfungsgeschichte im 1. Buch Mose eingehen und welche Schlüsse ich beim Nachdenken darüber gezogen habe. Ich möchte an dieser Stelle auch kurz meine persönliche Erfahrung erwähnen: Ich habe mich eine Zeit lang als asexuell gesehen und wünschte mir einen geschlechtsneutralen Körper. Das fällt ins LGBTQ+-Spektrum und es war eine durchaus längere Phase in meinem Leben. Ich hatte operative Maßnahmen in Erwägung gezogen, wenn auch nicht durchgeführt, aber ich hatte in meinem weiblichen Körper gelitten. Mein inneres Reflektieren über die Schöpfung in der Bibel führte mich dazu, dass ich meinen Körper inzwischen angenommen und Frieden damit gefunden habe. Das Thema hat für mich somit auch einen persönlichen Bezug.

      Ich weiß, dadurch kann ich nicht gleich für alle Menschen auf der Welt sprechen, aber es gibt durchaus ähnliche Erfahrungsberichte von anderen Menschen des LGBTQ+-Spektrums, die sich ihm heute nicht mehr zugehörig fühlen. Siehe weiterführende Links am Ende dieses Blogposts, falls es dich interessiert.

      Der Mensch ist nur Mann und Frau und die Schöpfung irrt sich nie, oder vielleicht doch?

      Gleich zu Beginn der Bibel ist die Rede davon, dass Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen hat. Heute wissen wir, dass manchmal auch Menschen geboren werden, die auf DNA-Ebene keinem Geschlecht eindeutig zugeordnet werden können. Solche Menschen gibt es real - aber genauso ist es auch Realität, dass die meisten von uns entweder klar weiblich oder klar männlich sind. Und Fortpflanzung funktioniert biologisch durch die Verbindung einer weiblichen Eizelle und einer männlichen Samenzelle. Somit entspricht unsere real wahrnehmbare Welt folgenden Bibelstellen - bzw. findet sich dort nichts, was grundsätzlich nicht zutreffend ist:

      Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. (1. Mose 1,27-28)

      Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden sein ein Fleisch. (1. Mose 2,24)

      Hier wird ausgedrückt, dass die menschliche Spezies zwei Geschlechter hat, dass sie sich vermehrt und die dominierende Spezies auf der Erde ist. Der letzte Satz bezieht sich wörtlich darauf, dass Ei- und Samenzelle sich vereinen, meint jedoch auch im immateriellen Sinn, dass die Eltern des so entstandenden Kinds eine Einheit als Ko-Schöpfer bilden. Ob die Eltern sozial eine Familie bilden oder nicht, es lässt sich nicht mehr rückgängig machen, dass sie Eltern geworden sind und das Kind genau diese Eltern hat. Ich rede hier erst mal nicht von schwierigen Fällen oder von Abtreibung.

      Man könnte jetzt sagen, dass diese Bibelstellen nicht richtig oder unvollständig sind, weil die Ausnahmen nicht genannt werden. Denn so wie es halt auf DNA-Ebene hin und wieder Menschen gibt, die nicht eindeutig Mann oder Frau sind, bilden alle Menschen des LGBTQ+-Spektrums zusammen noch eine Minderheit unserer globalen Population. Aber die Bibel spricht hier aus meiner Sicht von unserem grundlegenden Bauplan - und nicht von Ausnahmen, die es geben kann. Das öffnet gleich ein Fass ohne Boden zur Diskussion: Sind Ausnahmen eingeplant? Sind sie gewollt, ein Fehler oder sonst noch irgendetwas?

      Eine Erörterung dieser Fragen würde heute wirklich den Rahmen eines Blogposts sprengen. Darum möchte ich erst mal nur sagen: Ich bin zu einer wertschätzenden Haltung gegenüber diesem Bauplan gekommen, nachdem ich ihn lange Zeit abgelehnt hatte, ohne es zu merken. Ich wollte einen geschlechtsneutralen Körper, obwohl mein weiblicher Körper der ist, den ich bekommen habe und der auch noch das Potenzial hat, neues Leben in diese Welt zu bringen. Aber das war mir egal, weil der Schmerz darüber, als weiblich gesehen zu werden, überwog. Ich wollte auch nicht heterosexuell sein, zum Teil aus körperlich-emotionalen Gründen - Symptome frühkindlicher sexueller Belästigung waren vorhanden, aber zum Teil auch, weil Heterosexualität irgendwie langweilig war und ich gegen meine strengen Eltern rebellieren wollte.

      Mittlerweile empfinde ich zum ersten Mal Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber der ursprünglichen Möglichkeit zur Fortpflanzung und Familiengründung, die wir Menschen haben. Das heißt nicht, dass ich gar kein fiktives Werk mehr übersetzen kann, in dem irgendetwas mit LGBTQ+ vorkommt. Jesus hat in der Bibel auch nicht panisch oder allergisch auf Sünder reagiert. Aber er hat nun mal auch gesagt, wie oben schon erwähnt: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr.“ (Johannes 8,11)

      Wenn sich dir beim Lesen dieses Abschnitts Fragen ergeben haben oder ich etwas trotz bester Bemühung missverständlich bzw. diskriminierend ausgedrückt habe, teile mir das gern mit und ich versuche nächstes Mal darauf einzugehen. Ich weiß, es ist ein schwieriges Thema, und meine Absicht ist es nicht, mehr Unklarheit und Verwirrung zu schaffen, sondern möglichst weniger davon.

      Vielen Dank schon mal, dass du bis hierher gelesen hast. Ich weiß, dieser Artikel ist ziemlich lang geworden, obwohl ich mich nur die wichtigsten Punkte konzentriere. Aber ich wollte diese wenigen Aspekte heute so erklären, dass du sie ohne viel Hintergrundwissen oder ein christliches Weltbild verstehen kannst.

      Falls du erst mal genug über die Bibel gelesen hast, springe gern zu: Welche Manga/Anime etc. übersetze ich noch? Ansonsten folgt hier noch die Erklärung, warum ich keine „okkulten“ Themen mehr übersetze. Das wird nicht ganz so lang wie das Kapitel über LGBTQ+, weil es hier nicht so sehr um mögliche Diskriminierung geht. Lies gern hinein, wenn du erfahren willst, was es mit der berühmten Redewendung „Der Glaube kann Berge versetzen“ auf sich hat - denn u.a. darum geht es gleich weiter unten.

      Was ist mit okkulten Themen gemeint?

      Kommen wir zur zweiten Gruppe von Inhalten, die ich unter den oben genannten Bedingungen nicht mehr übersetze. Ich habe dafür den Oberbegriff „okkulte Themen“ gewählt und es sind verschiedene Dinge enthalten:

      Magie, Zauberkünste, Hexerei, Astrologie, Kartenlegen/Tarot u.ä., Sprechen mit geistigen Wesenheiten und Toten, Freundschaft/Pakt/Beziehung mit Dämonen, Anrufung oder Anbetung verschiedener Götter usw.

      Kurz, so ziemlich das ganze Fantasy-Genre und bestimmte Anschauungen sowie Rituale anderer Religionen sind hier enthalten. Wie jedoch in meinen Entscheidungsregeln genannt, lehne ich auch Werke mit diesen Themen nur ab, wenn sie einen inhaltlichen Schwerpunkt bilden und unkritisch dargestellt werden. Denn natürlich geht es mir nicht darum, dass es gar kein Fantasy mehr geben darf und alles Übernatürliche per se gleich verdammenswert ist.

      Warum überhaupt eine Grenze ziehen, wenn Fantasy sowieso nur erfunden ist? Wo ist das Problem, wenn es nur der Unterhaltung dient? Ganz so einfach ist es nicht, denn es gibt auch in der Realität Astrologie, Kartenlegen, magische Praktiken und Orden, verschiedene Formen der Energieheilung usw. Ich habe in diesem Bereich leider auch persönliche Erfahrung gesammelt und ein Grund für meine Offenheit diesen Dingen gegenüber war, dass fiktive Werke mir überwiegend ein positives Bild davon vermittelt hatten.

      Liest man die Bibel, so finden sich darin zwei Perspektiven auf übernatürliche Dinge, die sich zunächst scheinbar widersprechen:

      1. Okkulte Praktiken wie Zauberei, Beschwörungen, Hellsehen werden ausdrücklich als Sünden verdammt. (vgl. 5. Mose 18,9–12; 3. Mose 19,31; Galater 5,19–21; Offenbarung 21,8 u.a.)

      2. Jesus heilt Menschen durch Worte und Handauflegen und treibt Dämonen aus. In biblischen Prophezeihungen werden zukünftige Ereignisse vorhergesagt.

      Heißt das jetzt, Dinge wie Magie und Wahrsagen sind doch erlaubt, weil Jesus wie durch ein Wunder heilt und es Prophezeihungen in der Bibel gibt? Nein, denn es kommt auch drauf an, wie das scheinbar gleiche Resultat erreicht wird. Okkulte Praktiken kommen nicht ohne irgendeine besondere Methode, Technik, Fähigkeit, Energie oder Anrufung geistiger Wesen aus. Dabei wird ein Tauschgeschäft vollzogen: die Anwendung der Methode gegen das gewünschte Ergebnis. Der Glaube an eine bestimmte Energie oder geistige Wesen gegen Heilung, Zukunftsvorhersagen usw. Natürlich gibt es in diesem Bereich auch Scharlatane und die Fähigkeiten müssen erst mal gelernt werden, aber ich habe selbst erlebt, dass es „funktionieren“ kann. Nur wird dabei auf jeden Fall ein Tauschgeschäft auf der geistigen Ebene eingegangen. Sowohl vom Anwender als auch vom Empfänger einer solchen Dienstleistung.

      Auch bei Jesus könnte man meinen, dass ein Tausch hinter den Ergebnissen steht, denn er sagt wiederholt so etwas wie: „Dein Glaube hat dich gesund gemacht.“ (Markus 5,34). Doch an wen oder was richtet sich der Glaube in diesem Fall? Bei Jesus' Heilungen und Dämonenaustreibungen sind es meistens nur ein paar Worte, die er spricht; manchmal steht auch da, dass er gebetet und sich bei Gott bedankt hat (z.B. in Johannes 11,41-42). Er beruft sich dabei nie auf irgendeine Technik, Kraft oder irgendein Wesen, das einen Namen trägt. Jesus' Heilung und Befreiung von Menschen stammt aus göttlicher Quelle und hat keinen besonderen Namen. Es gibt kein Ritual oder sonst irgendetwas, das angewandt werden muss. Die einzige Kraft ist das Wort und Jesus sagt, dass wir es jederzeit auch so machen können - unter einer Bedingung:

      Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen würde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. Darum sage ich euch: Alles, was ihr betet und bittet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteilwerden. Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen. (Markus 11,23-26)

      Im ersten unterstrichenen Satz steht, dass alles geschehen kann, woran wir fest glauben, ohne zu zweifeln. Daher kommt die Redewendung, dass der Glaube Berge versetzen kann. Und ich glaube daran, dass es heute auch so geschehen kann wie damals, als Jesus diese Worte gesagt hat. Das heißt, wir können physische Gesundheit und noch viel mehr erhalten, wenn wir nur daran glauben (was nicht so einfach ist - oder kannst du wirklich zweifellos glauben, dass du z.B. einen Berg versetzen kannst?) und die Bedingung im zweiten unterstrichenen Teil erfüllen: jedem verzeihen, gegen den wir etwas haben.

      Zur Wichtigkeit von Vergebung habe ich weiter oben schon etwas geschrieben. Wenn man unbedingt will, könnte man jetzt sagen: Aha, Jesus nennt hier also die Bedingung für einen Tauschhandel und die gesprochenen Worte sind seine Technik, also gibt es keinen Unterschied zu Magie und anderen Praktiken, oder? Doch, es gibt einen großen Unterschied: Ich habe es noch nicht erlebt, dass eine okkulte Praktik von mir Vergebung fordert, vor allem nicht aus dem Grund, dass mir dann meine Fehler verziehen werden, wenn ich vergebe. (Ich hatte im New Age gehört, dass ich verzeihen muss, um etwas Bestimmtes zu erhalten, das ich mir wünschte - aber niemand sagte mir, dass es mit der Verzeihung meiner Sünden zu tun hat. Ich hatte also versucht zu vergeben, um etwas zu bekommen - das klappte nicht so gut.)

      Hinzu kommt: Eine okkulte Praktik wird dich nicht dazu auffordern bzw. ermutigen, in die Demut zu gehen und es zu akzeptieren, wenn es letztendlich nicht so kommt, wie du es mit Glauben und verzeihendem Herzen gesagt hast. Jesus betete kurz vor seiner Verhaftung und Kreuzigung noch dafür, dass ihm dieses Schicksal erspart bleiben möge. Er wusste in seinem Geist bereits, was ihn erwartete, aber er wünschte sich, dass es abgewendet wird. Verständlich aus menschlicher Sicht, oder? Dennoch sprach er im Gebet so: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir weg – doch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe!“ (Lukas 22,42) Er drückte damit aus, dass er sich fügen wird, wenn es als Teil von Gotts Plan wirklich geschehen soll.

      Vergebung und Demut sind in okkulten Praktiken nicht auf diese Art und Weise zu finden. Deswegen soll man Abstand von allem halten, wo anders als in der Bibel versucht wird, ein Ziel zu erreichen, Wünsche zu erfüllen oder in die Zukunft zu blicken. In einem Gebet gibt es keine falschen Versprechen, keine Tücken, sondern es stellt sich ein wahres Win-Win heraus, wenn man die richtigen Preise bezahlt: Vergebung und Demut. Ich finde, das ist der deutlich bessere Tauschhandel, wenn man es so sehen möchte.

      Kurz noch zu geistigen Wesen: Jeder Engel, der von Gott kommt, wird sich zu Jesus Christus als Sohn Gottes, der Mensch geworden, auf dem Kreuz gestorben und wiederauferstanden ist, bekennen. Fragst du, wer das Wesen ist und in wessen Auftrag es handelt, und es bekennt sich nicht zu Jesus, dann will es dir wahrscheinlich schaden (vgl. 1. Johannes 4,1-3). Diese Frage kann auch Praktizierenden gestellt werden. Ich schreibe es hier dazu, weil Esoterik und New Age heute doch recht verbreitet sind. Prüfe alles gut, worauf du dich einlässt.

      Ich hoffe, dadurch ist klarer geworden, wie ich es meine, und auch bei diesem Thema gilt: Wenn du Fragen hast, stelle sie mir gern und ich versuche sie zu beantworten.

      Welche Manga/Anime etc. übersetze ich noch?

      Diese Frage lässt sich auf zwei Arten beantworten, mit jeweils unterschiedlichen Antworten:

      Grundsätzlich: Ich kann nach wie vor fast jedes Genre übersetzen, z.B. Slice of Life, Romance, Krimi, Science Fiction und sogar Fantasy, wenn es sich im Rahmen meiner Entscheidungsregeln bewegt.

      Nur Thriller und Horror habe ich schon von Anfang an nicht übersetzt und auch Storys mit viel Blutvergießen lehne ich in der Regel ab. Der Grund war bisher einfach, dass ich sensibel auf solche Inhalte reagiere. Heute kann ich auch sagen, dass ich keine übermäßige Gewalt oder Angst durch meine Mitarbeit daran verbreiten möchte.

      Realistisch: Es bleiben wohl nicht viele Titel in aktuellen Verlagsprogrammen übrig, die ich übersetzen kann. Die Zahl ist nicht null, aber ich kann und möchte nicht erwarten, dass mir bevorzugt die „guten“ Titel gegeben werden und andere Übersetzer das kriegen, was ich nicht mehr vertreten kann. Das ist auch nicht Ziel der Sache.

      Wenn mir heute ein Werk zur Übersetzung angeboten wird, schaue ich mir gern die Inhaltsangabe und Leseprobe an und entscheide dann im Einzelfall nach meinen oben genannten Kriterien. Ist es ein Projekt, das ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann, dann verleihe ich dem Text gern meine deutsche Stimme.

      Von den Titeln, die ich bisher betreuen durfte, fallen mir auf Anhieb zwei Beispiele ein, die ich heute noch übersetzen würde. Beide mag ich persönlich auch recht gern:

      Lost Lad London von Shima Shinya (deutsch: Crunchyroll, 2025)

      Lost Lad London Band 1
      Lost Lad London Band 2
      Lost Lad London Band 3

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      Eine sehr schöne Graphic Novel von einer japanischen Mangaka, die in London studiert hat. Hauptfigur ist der Student Al Adley, der eines Abends ganz normal vom Job nach Hause fährt und dann plötzlich ein blutiges Messer in seiner Jacke findet. Bald wird er des Mords verdächtigt und der etwas schräge Kommissar Ellis glaubt ihm als Einziger seine Unschuld. Zu zweit suchen sie nach Beweisen und dem wahren Täter …

      Hier kommt die Sünde Mord vor, aber sie wird in keiner Weise gerechtfertigt oder zelebriert. Al will irgendwie seine Unschuld beweisen, er wird nicht selbst zum Killer oder so, Rache wird nicht als positiv/erstrebenswert dargestellt. Ich habe diesen Titel wirklich gern übersetzt.

      Time of Eve: The Movie (deutsche Untertitel: Pied Piper, 2014)

      Time of EVE

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      Eine Science-Fiction-Story mit Setting in einer Welt, in der fast jeder Mensch einen humanoiden Roboter besitzt. Die Roboter tragen einen leuchtenden Ring über ihrem Kopf, der sie von Menschen unterscheidet. Eines Tages kommen die Highschool-Schüler Rikuo und Masaki in ein Café, in dem diese Regel aufgehoben ist und Roboter und Menschen gleichberechtigt miteinander sprechen. Rikuos Haushaltsroboter Sammy ist dort auch regelmäßiger Gast. Wer ist Roboter und wer Mensch?

      Vielleicht ist das jetzt überraschend, aber ich sehe hier keine offensichtliche oder dominante Darstellung von Sünden. Science Fiction ist nicht gleich Sünde, denn es geht erst mal nur um technische Innovation, menschliche Leistung, die unser Leben erleichtern und bereichern kann. Es müssten schon andere Faktoren wie positive Darstellung von Flucht in virtuelle Welten, Umsturz der Menschheit oder okkulte Elemente hinzukommen, damit ich so einen Titel ablehne. All das ist bei diesem Anime-Film nicht der Fall. Er regt zum Nachdenken darüber an, wie wir damit umgehen würden, wenn Roboter scheinbar auf Augenhöhe mit uns kommunizieren würden. Das ist ein kontroverses Thema, aber es werden nicht Liebesbeziehungen zu Robotern verherrlicht oder so. Es bleibt beim Aufwerfen von Fragen, über die jeder nachdenken kann. Emotionale Bindungen zu Robotern und die Verschmelzung von Mensch und Roboter werden dargestellt, jedoch auf keine verherrlichende Art und Weise.

      Solche Geschichten würde ich heute noch übersetzen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Aber ich nehme halt nicht mehr alles an, nur weil sich damit Geld verdienen lässt. Das war der Preis, den ich bei anderen Projekten als den soeben genannten eine Weile bezahlt habe, als ich schon nicht mehr damit einverstanden war. Künftig tue ich es nicht mehr, weil es kein Deal mit guten Folgen für mich und für andere war.

      Wie geht es weiter?

      Mein Blick ist nicht mehr nur aufs Übersetzen gerichtet, weil es halt aktuell nicht so viele Titel gibt, die sich mit meinen Kriterien vereinbaren lassen. Aber das ist nicht schlimm, denn so kann ich meine Zeit und Energie in Projekte stecken, die ich wirklich von Herzen unterstützen kann.

      Auf meinem Blog darüber zu schreiben, ist dabei ein Schritt in die Richtung, die ich ab jetzt gehen möchte. Ums Übersetzen soll es hier auch noch gehen, aber das heutige Thema möchte ich dabei nicht ausschließen. Velleicht kann ich so auch neue Perspektiven und Blickwinkel für meine Leser bieten. Das würde mich jedenfalls sehr freuen.

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      Hier sind noch einige Informationen, Erfahrungsberichte und Lieder, die interessant für dich sein könnten, wenn du mehr erfahren willst.

      Informative Artikel:

      Erfahrungsberichte:

      Von Menschen, die über ihre Transformation durch die Begegnung mit Jesus erzählen.

      Das Paar aus dem dritten Erfahrungsbericht hat danach ein Kind bekommen und die Frau erzählt hier, wie ihr trotz Mastektomie die Brustmilch gekommen ist. Als ich das sah, fühlte ich mich daran erinnert, wie Grashalme sich auch durch Beton ihren Weg ans Licht bahnen.

      Nur für alle Fälle verlinke ich auch diese Anleitung: Gebet um Vergebung der eigenen Sünden

      Lieder:
      Zum Abschluss hier noch ein paar Lieder, in denen Jesus vorkommt, die aber nicht langweilig klingen, wie ich finde. Bilde dir gern deine eigene freie Meinung davon.

      Vielen Dank, wenn du bis hierher gelesen hast, und hab einen gesegneten Tag. Ich freue mich, wenn dieser Blogpost dich inspiriert oder bereichert hat, und hoffe, wir lesen uns nächsten Mal wieder.

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        Titelfoto von Nikhita Singhal auf Unsplash

        Über mich

        Ekaterina Mikulich

        Freiberufliche Übersetzerin und Blog-Autorin. Seit 2012 Übersetzungen von Manga, Anime und Light Novels aus dem Japanischen (u.a. Accel World, Der Junge und das Biest, Time of EVE). Masterarbeit in japanischer Sprache und Translation (2018) über sprachliche Aspekte der Übersetzung von Light Novels ins Deutsche. Übersetzte die Romane Das Restaurant der verlorenen Rezepte (2023) und Rückkehr ins Restaurant der verlorenen Rezepte (2024). Mehr über mich erfährst du hier.

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